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Alben- und Plattenkritiken von dj cramér
Greg Cartwright - Live at the circle A - Lp, Dusty Medical Records 2009
+ 7" - Vinylsingle: Greg Cartwright with The Goodnight Loving
1. Better Man Than Me
2. As Long
3. I Don't Care
4. Reptile Style
5. Stop And Think It Over
6. Your Happiness
7. I'll Cry
8. Sour And Vicious Man
9. I Need You Now
10. Bad Man
11. Drowning
12. Take A Ride
13. Live The Life
1. Better Man Than Me
2. As Long
3. I Don't Care
4. Reptile Style
5. Stop And Think It Over
6. Your Happiness
7. I'll Cry
8. Sour And Vicious Man
9. I Need You Now
10. Bad Man
11. Drowning
12. Take A Ride
13. Live The Life
Greg Cartwright ( Compulsive Gamblers, Oblivians, Reigning Sound )
öffnet sein Songbook.
Er bringt Solo und nur mit Akustikgitarre verstärkt
seine emotionalen Schrammelrocksongs hinein ins heimische Wohnzimmer.
Die Liveaufnahmen zeigen einen guten Querschnitt seines musikalischen Schaffens.
Er spielt zwei Songs, die er bereits mit der Bluespunkband "Oblivians" spielte
( "bad man", "live the life" ).
Bringt dazu entsprechend abgespeckte Versionen seiner Blues'n Soulrockformation Compulsive Gamblers:
"stop and think it over", "sour and vicious man", sowie das Cover "your happiness" .
Aber hauptsächlich bedient er sich bei seiner aktuellen Band "Reigning Sound".
Hier kommen "As long", "I don't care", "Reptile Style", "I'll cry", "Drowning", "Take a ride"
und das schon einmal veröffentlichte L.C.Cook Cover "I need you now".
Die Lp beginnt mit einem neuen Song, mit dem herzlichen Abschiedssong
"Better man than me",
im Original von D.Bramlett.
Alle Songs sind sehr intensiv, emotional und eindringlich.
Hier klingt nichts bemüht,
oder stark künstlerisch, sondern stets authentisch, ergreifend und erschütternd.
Er singt seine sehr persönlichen Texte bis tief ins Herz des Zuhörers.
Er besingt die Holde Weiblichkeit. Huldigt ihr, oder wirft sie ab.
Er erzählt vom Zwischenmenschlichen, ernst und ernstnehmend.
Als Bonus zu der schicken Lp, verbarg sich im Innern noch eine Single 7", die für Fans einen Superbonus darstellt.
Es handelt sich um eine Livestudioaufnahme dreier Songs mit der Band The Goodnight Loving.
Er spielt mit ihnen noch einmal die Bramlett Nummer: "better man than me";
dazu seinen alten, sehr schönen Gamblers Song "I don't wanne laugh at you"
( Original auf der 1999 bei Sympathy for the Record Industry erschienenen LP "Bluff City" ), hier aber einen Zacken schneller, weniger schönbluesschnulzig.
Plus, auf der 45rpm B-Seite, eine strackrockende Version von Mary Lou ( Jessie ),
die er auch schon mit den Oblivians auf "play nine songs with Mr. Quintron" spielte.
Sie war für mich schon auf der Lp der eigentliche Hit, aber hier ist der Song viel krachiger, tanzpunkiger.
Wild & roh, ein furziger Bluespunkkracher! Live und ungezügelt.
Herrlich zum Ausderhautfahren!
The Low Anthem - Oh my god, Charlie Darwin LP, Bella Union 2009
Side A
1.charlie darwin
2.to ohio
3.ticket taker
4.the horizon is a beltway
5.home I'll never be
6.cage the songbird
Side B
1.(don't) tremble
2. music box
3. champion angel
4. to the ghosts who write history books
5. OMGCD
6. to Ohio (Reprise )
Die ersten drei Songs halten sich langsam und gezügelt.
Eindringlicher, beschwörerischer Erzählgesang trifft auf folkige, ruhige Musik.
Minimal und schön. Beruhigend, träumerisch und vereinnahmend.
Ab dem vierten Song "the horizon is a beltway" bricht die Atmosphäre.
Knarzrock beginnt. Polternd, rauh und bockig.
Anschließend verwandeln sie das im Original sturztraurige Tom Waits / Jack Kerouac
Lied "home I'll never be" in einen trotzigen Meckerrocksong.
Die A Seite endet dann sanft, beinah choral mit "cage the songbird".
Der Eindruck, ich lausche nichtreligöser Kirchenmusik, hält sich auf Albumlänge,
interessant im Zusammenhang zum Albumtitel.
Es ist sehr schade, dass der LP keine Texte beigelegt worden sind.
Die B Seite beginnt wieder ruhig, lieb.
So klingt schöne Herbstmusik: Brüderlich, versöhnlich und warm.
Der dritte Song "champion angel" ist sehr charismatisch,
treibend, lang und spannend. Ein großer Folkrocksong, stolz, leidenschaftlich, alamierend, kräftig. Freiheitsliebend, poetisch und dicht. Ich kenn keinen größeren Song aus derartigen Gefilden.
Ruhiger geht's dann mit "to the ghosts who write history books" weiter,
und mit "OMGCD" ist ihnen ein wundervoll niedlicher Folkgospel gelungen, herzlich und schön.
Umarmung, Tränen in den Augen, Zitronengrastee, herrlich.
Das Album endet mit einer Reprise des etwas verfremdeten Midtempobastelsongs "to ohio".
Insgesamt eine wundervolle, spannende und empfehlenswerte Schallplatte.
THE POEM IS YOU, The Ballad of Old Harold / Please, don’t take my man - 7"
KF Records, Dresden 2008
Schicke 2-Song Single der sechsköpfigen Band, die in Dresden, Brüssel und Berlin beheimatet ist.
Das erdfarbige Cover, ein pinselgestrichenes Portrait eines älteren, verzweifelten Mannes, gibt schon
Vorauskunft über die zu erwartende Musik: Beseelter, schwermütiger Neofolk / Country mit Hang zur Theatralik. "The Ballad of Old Harold", ein Mehrgesangsfolkstück mit Tiefgang und Wärme .
Der Frau / Mann - Paar und Wechselgesang ergänzt und stützt sich und zeichnet ein Bild voll leidenschaftlicher Dynamik. Die B-Seite "please, don’t take my man" besticht als wundervolle, dezent instrumentierte Ballade. Der soulige Gesang der Sängerin wird von einem Akustikfolkkorsett im Midtempo gestützt. Alles in allem eine lodernde Single für erwärmende Abende mit Kerzen und Tee, dem tristen Wintergrau entgegen.
Musik für Freunde von:
Two Gallants, Bob Dylan
STALIN VS. BAND / KID SHELLEENS, Split 7"
Selbstverlag, Dresden 2008
Das Cover muss man selbst gesehen haben , hervorragende Idee!
Fotografiert in der Dresdner Kneipe Ostpol, in dem auch die zweitägige Releaseparty
der Dresdner Bands stattfand. Beide Tage waren ausverkauft.
Stalin vs. Band gehen ihren eigenen Weg konsequent weiter und scheinen sich von
Trends kaum beeindrucken zu lassen. "Natch" klingt gefährlich, drückend. Groovt.
Hat böses vor und hinterlässt keinen guten Eindruck.
"Natch" will dich, droht und keift. PsychArtRock aus Sphären, die böse sind.
Dunkelböse. Interessant & abschreckend. Fast lustig.
Kid Shelleens, eine neu gegründete Band um Sabine Zeissig,
die bereits Gesangserfahrungen mit der aufgelösten Indiepopband "Vermont" sammeln durfte.
Mit dem "Paternoster Song" gelingt ihnen eine Verschmelzung von kindlich-zerbrechlichem Gesang, beschwörerischer Atmosphäre, disharmonischen Gitarrenwänden, Eruption, und zurückbleibender Verstörrrtheit. Tanzend zwischen den Welten von Sonic Youth, Birthday Party und The Devastations.
Das Ende schliesst entsetzlich grandios.
Musik für Liebhaber von:
Sonic Youth, Birthday Party, Devastations, Roerhedds , Progrock, Dunst und Trauer
PETE MOLINARI - One Stolen Moment E.P., 7"
Damaged Goods Records, GB 2008
1. One Stolen Moment
2. The Poets Dream
3. Love Lies Bleeding
Drei herzzarte Folkbluesakkustikkompositionen, deren Wärme, Hingabe und romantischer Klang -
ihresgleichen suchen. Pete Molinaris dringlicher, einfühlsstarker Gesang. Seine weiche, betonte Begleitinstrumentierung. Die Klangwärme der Aufnahmen, seine Liebe zu Detail und Weiblichkeit.
Sie lassen den Winter vor der Tür, sie wärmen die Ohren bis zum Herzen, und noch bis hinab
in die Füsse streicht die von handgespielte Musik alle Sorgen von der Seelenkante, für Minuten.
Aber immerhin. Der zweite Song der B-Seite, wurde von Billy Childish aufgenommen, mit einem
mobilen Recordingstudio. Dieser Billy Childish, tätig in vielen Bands, schrieb auch "The Poets Dream",
erster Song der B-Seite, original für seine Band "The BuffMedways".
Dieser Song, sowie der grosse Hit dieser kleinen Schallplatte "One Stolen Moment"
wurden in den Londoner Toe Rag Studios aufgenommen.
Musik für Geniesser von:
Nick Drake, den sehr jungen Tom Waits, Bob Dylan
THE FUZZTONES, 7" Single ( Re-Release )
Munster Records 200?
Bad News Travels Fast: Original erschienen 1984. The Fuzztones waren damals mitverantwortlich für die Zündung des 60ties Revivals. Der Titlesong ist einer der grossen Hits der Fuzztones. Perfekt für Männer mit tätowiertem Brusthaar: Eine Orgel, eine treibende Gitarre und Rudi Protrudi’s lodernder Gesang.
Die Mundharmonika schneidet, die Fuzzgitarre sägt. Absolut tanzbar, fordernd, leckend, manisch, ungezügelt.
Die B-Seite bietet eine sehr gut gemischte Liveversion von "brand new man (brand new car )",
die hungrig macht, diesen RawknRoll Live zu erleben.
PERSIAN RUGS, 7" Single
Screaming Apple Records 200?
1. One Stolen Moment
2. The Poets Dream
3. Love Lies Bleeding
Die vier besinnlich schauenden Musiker vom Cover spielen zackzackzackigen 60ties Beatpunk:
Knallig, wild & hektisch. Der Gesang schraubt sich eindringlich in die Ohren.
Während der schnelle Beat die Beine verdreht, die Laune hebt, und die Arme überwirft.
Die A-Seite hat absolute Hitqualität, "what’s a girl supposed to do" fällt dagegen etwas ab, etwas.
TENNESSEE TEARJERKERS, 7" Single
Brown Sound 2005
Chills & Fever: Ein schräger orgelgetriebener Midtempo-60ties-Psych-Rock Schleicher,
wie er von den Fuzztones nicht besser inszeniert worden wäre. Für Jack O. Yarber (auch: Compulsive Gamblers, Oblivians, Cool Jerks, The Knaughty Knights) mit seinen Tennessee Tearjerkers eine gelungene überraschung, da seine musikalische Bezüge eher im groben Blues und tiefem Soul liegen.
So zeigt sich die B-Seite "I want you" als groovender, schnoddriger Bluestrampler, passend um die Liebste tanzend zu umgarnen.
ODDBALLS BAND "shady flavor" 7"Single
Pure Vinyl Records,irgendwo aus Deutschland 1999/2000
Witziger, kräftiger und polternder "bluesy" Groovepunk.
Der schnoddrige Gesang überquatscht und durchpoltert sympathisch dreckig den von rauher
Energie angestachelten Rhythm’N`Blues Sound.
"Mama Oddball’s Red Hot Rootin Tootin Chili" hat so viel Feuer,
wie der Titel selbst und ist wohl der kröftigste Schlechtlauneverjager dieser kleinen Platte. Mehr davon!
ODDBALLS BAND "rules the shit, baby" 7"Single
Fanboy Records, Hamburg 1999
Weitere vier Songs der bluesrockin punkers aus D-Land, die ihren Amikollegen nicht nachstehen.
Hier etwas klarer im Sound, spielen sie sehr schöne, kräftige und auf den Punkt gerockte Bluespunkperlen mit viel Spielwitz, Daseinsberechtigung und Sonnenbrillen auf den Nasen. Sehrsehrschön!
CAMERA OBSCURA 7"Single
Elefant Records, Madrid 2006
Die A-Seite ist eine sehr schöne schwebendmachende Popnummer.
Man will die Arme öffnen, und ihn in Empfang nehmen: Diesen süssen, fliehenden Mädchenfrauengesang,
der da wehend Bescheid gibt: "Hey Lloyd, I’m ready to be heartbroken"
So besungen ginge wohl nachts noch die Sonne auf. Die B-Seite dagegen ist ein klarer Heuler.
Nicht besonders originell, teilweise sogar richtig nervig. Auf keinen Fall super. Nein.
JACK OBLIVIAN â€" black boots / john holmes blues 7" Single
2006 Shattered Records
Süss, verträumt; sympathisch und verzaubernd:
"Black Boots" ein schöner, bisschen schiefer und für Jack’s Verhältnisse angenehm popiger Bluesschmeichler.
Sein erzählender Gesang überspricht sehr charmant die angenehm schroffe Bluesgitarre.
Die B-Seite, ein schräger psychoblues , besingt das Leben von John Holmes.
Wer ihn kennt, weiß auch um dessen Nacktheit.
BLACK LIPS â€" short fuse / born to be a man 7" Single
2009 Vice Music
Saugeil! Happy Blues mit Countryswing "bababa…born to be a man!" Diese B-Seite macht Superlaune!
Herrlich zum Poltern, Holpern, Grooven und Mitsingen. Kurz, knackig, frisch&froh!
"short fuse" klingt fordernd, leidenschaftlich und experimentierfreudig!
Auch dieser Song wurzelt im Blues&Country, aber auch in den psychedelic 60ties.
Ernst und schräg, irgendwo zwischen Kinks, Stooges und den Bluespunkern aus der Memphisszene:
Jack O., Tennessee Tearjerkers, Oblivians, Compulsive Gamblers etc