Kritiken zu Liveshows unterschiedlicher Bands


Dresdener/Leipziger Schriftsteller Roman Israel

November 2011, Büchers Best in der Dresdner Neustadt


Gestern gab der Dresdener/Leipziger Schriftsteller Roman Israel Kostproben seines neu erschienenenen, selbstverlegten Buches "Reise nach Loitoktok". Die Lesung fand in der schönen Bücherstube des Büchers Best in der Dresdner Neustadt statt. Roman Israel las eine ganze Stunde am Stück, das Publikum achtete die Knappheit der Zeit des Autors und fiel zwischen den sauber gelesenen Stücken nicht durch lautes Klatschen auf. Als der Autor die Lesung als beendet beendete, gab es dann aber verdientermaßen einen langen Applaus. Das vorgelesene macht Hunger, sich die Geschichten selbst zu erlesen. Roman Israel verwebt eigene Anliegen, Abstrusitäten und real erzählten Wahnwitz zu amüsiant-schockierendem Literaturgut. Das Buch kann man u.a. bei Stü in Büchers Best kaufen.

Die Lars P. Krause Gig Poster Ausstellungseröffnungsausstellung an ebendort dem selben Ort war schön, warm, interessant und wiederholenswert. Fotos folgen möglicherweise auf der pkmuzik.net homepage.

Gekauft werden können nun auch mehrere Kurzgeschichten / Gedichte von Herrnrené Seim im superprallen, kunstintesiven, superschicken, auf 1000 bunte Hefte limitierten LOW-Kunstmagazin. And yes, I am very proud of that! Bezogen werden kann diese schöne Feinigkeit u.a. über www.low-magazine.com, Büchers Best, pkmuzik.net, Läden in Berlin u. Hamburg und einigen weiteren Stellen. Infos bekommt ihr von der LOW Homepage. Thanks to Danny Linwerk!


Phil Riza & Friends

22.04.2010, Rosis Amüsierlokal (Dresden)


Phil Riza. Ein schöner, auffälliger Franzosenmann steht alleine mit seiner Gitarre auf der Bühne. Selbstbewusst und unterhaltsam - spielt er mit sehr lockren Fingern bluesigen, leichten RocknRoll. Er spielt einen sehr eigenen Stil, "guitar pickin". Es ist blues, doch klingt es leicht und hell, wie jazz und folk. Ein bisschen Django Reinhard meets J.L. Hooker meets Lightning Hopkins. Den hellen Gesang beherrscht er einwandfrei und bezaubert durch frohe coolness. Die aggrornrheuler stehen ihm weniger. Dafür wirkt er zu versonnen, beinah lieb. Seine Füsse und ein Bodenmikro geben dem Gitarrenspiel den richtigen Takt. Das Publikum ist gebannt und begeistert. Sein Set geht circa eine halbe Stunde. Dann betreten drei lokale Musiker die Bühne. Tanztauglicher, verrückter Savage-RnR knallt nun von der Bühne. Der Kontrabasser von Boss Hoss, ein Entertaimentsänger samt Gitarre, und der Schlagzeuger der Dresdner 29-30’s rocken sehr selbstbewusst grossartigen 50ties / 60ties american rocknroll / rockabilly! Das Publikum gibt sich dem Tanzen hin. Bekannte und weniger bekannte RnR-Evergreens werden gerockt. "Oh Well"- die Fleetwood Mac Nummer, die einst von Hot Boogie Chillun aufs krachigste eingespielt wurde, sorgt genauso für Ausgelassenheit, wie das übrige Set. Das Publikum ist ausgelassen und tanz begeistert und mitsingend. Später erklimmt Phil Riza erneut die Bühne um mit seinen Dresdner Kollegen zusammen zu rocken. Die Rocknroll / Rockabilly Hitparade wird anständig abgefeiert, kurze Clash / Nirvana Anspielungen lockern das Programm musikalisch auf. Die einzig schwache Nummer war ein Chuck Berry Song. Die Restnummern, ob von Elvis, Bill Haley, oder "pick a bale cotton" und sogar "my bonnie is over the ocean" waren sämtlich grossartig. Die Band lies bis früh halb drei nicht locker, das Publikum mit diesem energiegeladenem RocknRoll zu unterhalten. Fast waren es drei Songs zu viel. Doch die Band wollte einfach nicht von der Bühne. Ein beinharter Punkrocksong zwischendurch hätte gut getan. So waren es beinah vier Stunden RocknRoll Nonstop! Meisterklasse!


LOS BARRICOS

05.02.2010, Alte Feuerwache (Dresden)


Die instrumental hochklassig versierte Band tobte mit ihrem brennendem Misch aus Leidenschaft, Rock und schöngeistigen Melodien durch den Trille Raucherraum.
Dieser war gekachelt, und die Beleuchtung eher für eine Leseveranstaltung geeignet, als dem Mystikum krachiger Flamenco Rock'n'Rumba Musik gerecht zu werden.
Die älteren Zuhörer saßen auf den Bänken, und schauten amüsiert und begeistert dem Treiben auf der Bühne zu. Die jüngeren, munteren und tanzwilligen gruppierten ihre Blicke Richtung Bühne, in stehender und teils bewegender Begeisterung.
Spanische Rufe von und auf die Bühne unterbrachen die einzelnen Stücke.
Die Musik verzaubert im dunklen Sinne euphorisch, sie treibt Ochsen und spanische Fliegen zusammen.
Sie ist leidenschaftlich, ehrlich, verschwitzt und irgendwie will man immer stets loslegen.
Sie macht nervös und unruhig. Man will platzen, rocken, - sich in die Menge schmeißen, manchmal pogen.
Die Band durfte nicht ohne Zugaben von der Bühne, und auch danach noch gaben die beiden fantastischen Gitarristen Flamencozugaben. Ein gelungener Abend mit einem interessanten Mix aus Wehmut, Aggression, verrückter Tanzbarkeit, Romantik und Spannung für die Zukunft. Rocka!


SEX GODS

21.11.2008, Groovestation (Dresden)


Zweigitarrig, a la Oblivians, spielten die drei witzigen Berliner abgedrehten und knallschnellen Bluespunk: Kurz & popig mit dem Schwung der Ramones. Schlagzeuger "Rev. Nomad" ( Purple Dawn, Nomad Riders, U.Y.S. ) trat und drosch vermummt die Drums. Mickey Brumaire ( Purple Dawn, Raindogs, DJ Deadboy ), im offenen Hemd sowie Olli ( Helga Blohm Dynastie ) bemühten das Dresdner Publikum gekonnt provokant um Extase. Der männliche Anteil stand davon etwas gestört schüchtern in halber Entfernung zur Bühne, während ein paar lustige Frauen den übersteigerten Charme verstanden und diesen mauzend beantworteten. Nach 20 Minuten waren 20 Songs gespielt, 3 Herren sehr glücklich und keine Frauen mehr zu sehen. Viele traurige Männer und die Hoffnung auf ein baldiges Wiedersehen, machten den Abend zum Ereignis!


THE ROOSTERS, COX-O-T-ESTATE, SLOW DEATH

4.11.2006 Gare De La Lune (Dresden)


Unter dem Motto "The Lunatic Tournament" lud Fabian Rönsch drei Dresdener Bands zum RocknRoll-Rundendrehen ein. Die Bands sollten in je zwei Sets ihr Herz und ihren Schweiß anbieten.
Das Konzept sollte Kurzweiligkeit und Mehrtönigkeit bieten und dies gelang. Dumm dran war nur derjenige, der vielleicht mit einer oder zwei Bands nichts anfangen konnte, diese dann aber noch ein zweites Mal erdulden musste. Durch Auslosung kamen The Roosters als erstes zum Zug, mittlerweile zu fünft, aber auch generell gewachsen. Es ist herzergreifend die vier Ursprungs-Freak-Outta-Here’s, plus ihrem Neuen, dem British-Gentleman, zu sehen, zu hören. Wer sie für arrogant und überzogen unerzogen hält --- wäre es nur gern selber. Diese Jungs können was sie lieben und sie zeigen es voller Inbrunst, eine herrliche Mischung aus: 60ties (Garage-)RocknRoll, Blues, Punk, Psychonautenklängen und kleinen britischen Populärmomenten Das kam an, so steckten die Wilden vor der Bühne ihre Finger in die rot-blaue Luft des herrlich-nostalgischen Ballsaals und benahmen sich so, wie es sich zu dieser Musik zu benehmen gilt, völlig frei! The Roosters rockten ihr Programm konsequent & irre durch und das zweimal gespielte "( ?-)Jam" ergriff und schleuderte mich in die abgehangene Wohnstube von The Pretty Things in den 60igern. Die vier nice boys ( inklusive eines Sechszehnjährigen, für den es die Premiere in einer RocknRoll-Show war ) um Sängerin Rina von Cox-O-T-Estate - brachten dann das Publikum mit ihrem 70‘er -, 80‘er Jahre British-(Pop)-Punk (plus ein Schuss alten RocknRoll ) zum Füße wippen und Köpfe nicken. Der junge Ex-Fan und Neugitarrist machte seinen ersten Job überwältigend gut, was seinem Lehrer auf der anderen Bühnenseite Stolz ins Gesicht malte.
Ein paar Fans übten sich in Textfestigkeit und ein drolliges Pärchen versuchte sich wechselseitig mit Rocktanzen und Luftgitarre zu beeindrucken. Schön. Nun kamen die Herren, die mich schon einmal als Vorband von Dead Moon überzeugten, Slow Death! Vier erfahrene Typen, denen authentische RocknRoll-Gelassenheit ins Mienenspiel geschrieben stand, die genau wußten, dass sie niemandem etwas zu beweisen haben. Herrliche Outlaws - ohne pissgelbe Gehässigkeit, Cowboy-Rawk’n’Roll, ohne hartes RedNeck-Gehabe. Die Songs berufen sich auf alte amerikanische Musik, auf Blues und Country, gepaart mit der Derbheit des Punk, mit Spielwitz und feinsten Coverversionen, so zum Beispiel: "have love, will travel" (u.a. Sonics); "cinderella" (Sonics, Fuzztones) und!, - damit hatten sie das Publikum vollends auf ihrer Seite, das wunderschöne "teenage kicks" von den Undertones!


THE POEM IS YOU

29.01.2008, Café Neustadt (Dresden)


Leichtes Schneetreiben und Januardunkelheit umrahmten angenehm ermüdend diesen Sonntag, den es im Sitzen und mit Lauschen zu beenden galt. The Poem Is You hatten sich niedergesetzt, um mit zerbrechlichem, teils dilettantischem, und doch sehr spannendem Minimalzauberfolk zu unterhalten. In abgespeckter Besetztung, zu dritt, verstanden es die mitteljungen und etwas entrückt wirkenden Musiker eine Atmosphäre zu entwerfen, die schwer zu verorten ist.
In starken Momenten kroch eine bizarre Unwirklichkeit versandeter Wüsten den Rücken hinauf. Bei "Don’t take my man!" jedoch hätte man den Mitsänger erschießen wollen, weil dessen gespielte Weinerlichkeit, die auf Vinyl gebannte Schönheit des Liedes in eine sicher ungewollte Ironisierung desselben knallte. Ich wollt was werfen.
Die Idee "Old Harold" mit spannender Knisterelektronik vom Laptop zu unterlegen, war für mich überraschend und bereichernd. Die selbe Idee bei vier weiteren Liedern recht uninspiriert auszuleiern, verkehrte die Begeisterung in das genaue Gegenteil. Das Publikum verhielt sich andächtig und zeigte sich sehr dankbar. Ein neben mir sitzendes blondes Mädchen, mit dem Kopf an ihren Freund gelehnt, sang Lieder mit. The Poem is You schaffen es dringend Aufmerksamkeit zu erreichen. Sie begeistern,verstören, überraschen. Sie sind spannend und empfindsam. Dem Sänger mangelt es aber noch an nötiger Ruhe, um seine Kraft besser umzusetzen. Ich freue mich auf Konzerte der ganzen Mannschaft.


THE MOCKS

12.02.2009 , Kathys Garage (Dresden)


The Mocks aus Dresden sind keine bloße 1:1 Coverband. Fünf gestandene Musiker spielen moderne und alte Songs. Sie spielen bekannte und unbekanntere 60er Jahre Standards, überraschen mit "lovefool" von The Cardigans, rocken naseoben "down in the past" von Mando Diao, und schwärmen ganz bezaubernd : "eternal flame" von den Bangles. So bunt schöpfen sie aus sehr verschiedenen Musikzeitaltern und zaubern eine angenehm eigene Musikenergie. Mit ihnen singt ein sehr überzeugender Sänger, dem das Aussehen eines kleinen Königs geschenkt wurde, der sichtlich viel Spaß an Sport, Spiel, Schminke & Entertainment hat.
Seine Stimme hielt zwar deutlich die Melodien, doch mangelte es anfangs leider an Kraft, den Texten wirklich Ausdruck zu verleihen. Das klappte beim zweiten Set weitaus besser bis nahezu perfekt, und so tummelte sich munter das bunte, meist mitteljunge bis mittelalte Volk zu dieser fantastisch tanzbaren Musik. Jene schaffte es dem Winter feucht&frech eine frisch geköpfte Zitrone in die Augen zu spritzen. So war es großartig, an einem Donnerstagabend im Februar solch flirrenden Sommerorgelbeatrock zu hören, die Spielfreude der Musiker zu erleben und dazu die bewegende Ausgelassenheit des Publikums zu spüren.
Zum Abschluß gab es sogar noch eine schmuselige Lovebluesschnulzennummer. Herrlich!


Bei einem Konzert im Tir Na Nog

Dresden, Februar 2009


Das Leben ist groß und schön, genau wie diese Herren hier zu sehn:
Vier sehr verschiedene Schweden mit Irishfolk im Herzen, Poesie auf den Lippen, und sangeswiegender Brust. Mit viel Gefühl in den Fingern schalkt ihnen der Humor aus den Augen, den Frauen ist schon bang. Sie sind Musen und sie hören Zigeuner. Mit den Füßen auf braunem Holz, hocken ihre Hintern auf alten Hockern. Und wie sie singen: Melodien aus Mündern mit Bärten und aus Mündern ohne Schnauzer, und aus Mündern mit blitzenden Zähnen. Sie singen Melodien mit Kindsgesichtern, mit Farmgesichtern und auch aus Predigergesichtern; und den Herren wird schier um die Frauen bang. Sie singen und spielen mit Hingabe, und tragen keinen falschen Stolz! Sie sind groß und schön, wie die Hoffnung, mich mit dir dazu zu drehn.


Orangegraue Romantik: Spätcafe Laika, Dresden. Einjähriger Geburtstag.

DJ "Herr Lehmann und sein Hund" saß angestöpselt am 2fachCD- DJ Mischpult und zauberte einen bunten Mix aus 50’s RawknRoll, Balkanpop, Soulpop, Wackelelektronik und purem Rock. Mann wie Frau gaben sich der bewegenden Extase hin. Wer auf intimpirsch war, konnte sich freuen. Der Raum war zu eng, für zu viele Leute. Aber die Stimmung gut, nur die Luft war rauchschwer und erstickenddick. Luftschnappen war Pflicht und so konnte man den schönen Nebel auf der Kamenzerstr. genießen. Orangegraue Romantik Gigantic. Auf der Fete tat sich eine gunstgeile Pferdin die Hufen wundlaufen, leider ohne Beachtung.
Aber balzend, geckend, keckend standen hüftenschwingend junge Männer in den Fenstern, wo vorher auch Frauen reifer Schönheit tanzten. Den Ort mögen, die Gesichter nicht zu kennen...


Dresden Hepcats Tanz e.V.

"TanzBarkeit" im Zille (Görlitzer Str., Dresden )


Die Bar empfängt mit warmen Tönen, sie ist reif, rustikal und freundlich. Der hinten gelegene, kleine gemütliche Tanzraum hat eine große Fenstersicht zum Hof hinaus. Die Treppen, die sich zu den Toiletten hinaufwinden, führen ebenso zu einer kleinen Raucherlounge. Es gab kostenlosen Kuchen, fitte Tanzlehrer, und einen Schallplatten-DJ im Hawaiihemd. Dieser legte spannende und extrovertierte Musik der 1930er- 1950er Jahre auf. Schleicher und Feger. Gestandene Großstadtpersönlichkeiten, teilweise mit Kindern, gesellten sich gesittet miteinander. Lockeres, gekonntes Bewegen zur lose zusammengestellten Musik, sowie sanft nachlassender Sonnenschein, luden ein, hier zu verweilen. Sitzend, tanzend, naschend. Entspannt und aufgeräumt. Ohne Eintritt, ohne Zwang. Bitte wieder!


Interview "The Miners"

MINERS, eine scharfkantige Bluesrockband aus Freiberg. Der erste Kontakt mit Sänger Andreas ist ein paar Jahre her. Damals, nach einem Konzert mit den LOMBEGO SURFERS in der DRESDNER GROOVESTATION, sprach ich ihn an, da mich ihr Stil sehr deutlich an den meiner damaligen Lieblingsband DEAD MOON erinnerte. So kamen wir ins Plaudern, und ich kaufte dann auch ihre erste 7" Single "from down below / unmarked territories" von 2003. über die Jahre entwickelte sich ein loser Kontakt. Dazu nun ein Interview:


Andreas, wann hast du die Band gegründet, und was war deine Initialzündung selbst Musik zu machen?
Angefangen hab’ ich erst vor 10 Jahren. "Erst", weil ich damals schon 35 war – nicht gerade das optimale Alter, um eine Band an den Start zu bringen. Damals war in der Band eines Freundes ein Sänger ausgestiegen und bevor sie sich auflösten, wollten sie’s nochmal mit mir probieren. Aufgelöst haben sie sich dann allerdings nur kurze Zeit später, hahaha… Aber Bassist und Schlagzeuger hatten Vertrauen in die Sache und so haben wir 1999 UNDEROCK aus der Taufe gehoben. Die MINERS wurden es, als wir vor 7 Jahren Breiti an die Drums geholt haben.

Mit MULDENTAL SOUNDS hast du dein eigenes Label gegründet, und veröffentlichst deine Aufnahmen. Was gab dafür den Ausschlag? Mangelnde Aufmerksamkeit von Labels, oder wolltest du die Bandangelegenheiten lieber selbstverwalten?
MULDENSOUND – das ist ein kleines Wortspiel. Hat etwas von Nische, das ist das, wo wir uns musikalisch bewegen und gleichzeitig gibt es da diesen lokalen Bezug: unser Proberaum liegt direkt am Flüsschen Mulde. Für uns ist der Eigenverlag die einfachste Möglichkeit unsere Musik zu veröffentlichen. Es redet uns keiner rein und wir müssen nicht hausieren gehen. Wann immer ein paar Songs fertig sind, und ein bissel Geld in der Bandkasse ist, werfen wir die 8-Spur- Bandmaschine im Proberaum an- und los geht’s.

Ihr veröffentlicht auf Vinyl, gibt es dafür Gründe? In welchen Auflagen sind die beiden Singles erschienen, und wo läßt du diese pressen?
Ein anderes Medium stand für die MINERS nie zur Debatte. Denn etwas originaleres als Vinyl gibt es gar nicht. Aber das brauche ich dir als DJ nicht zu erzählen, oder? Und ich liebe das 7" Format! Am Liebsten mit 45 rpm und großem Mittelloch… Wir haben von beiden bislang erschienenen Platten 200, bzw. 250 Stück pressen lassen, und sind, - wie weiland die erzgebirgischen Pascher – mit dem Rucksack über den Erzgebirgskamm ins Böhmische geschlichen. Dort stehen noch ganz alte Pressmaschinen. Man kann, wenn man will, dabei zusehen, wie die eigene Musik Form annimmt und einem dann noch ganz warm in der Hand liegt. Wie bei der Geburt eines Kindes, wunderbar...

Musikalisch orientiert ihr euch mit schroffem, schnörkellosem Bluesgaragenrock an "Dead Moon", worum geht es in deinen Texten? Schreibst du sie vor der Musik, oder später zum "Sound".
In den meisten Fällen läuft das so ab, dass ich ein inhaltliches Thema hab’, wo ich gerne einen Text zu machen möchte. Meist ziemlich persönliche Sachen. Es kann aber auch ganz alltägliches sein, wie z.B. unser neuestes Lied "Outta Here", wo’s um die Leute geht, woanders ist alles besser. Also, es gibt ein Textthema, vielleicht auch eine Refrainzeile, aber noch keinen Text. Dann schreibe ich erst den Song fertig, so , dass es stimmungsmäßig mit dem Thema für mich einen Sinn ergibt. Und erst dann versuche ich, den Text zu schreiben. Also genau genommen schreibe ich den Text auf die Musik

Ihr hattet vor einigen Jahren bei einem Konzert mit DEAD MOON im Steinhaus Bautzen noch eine Geigerin dabei. Wie würdest du euren damaligen Stil vom heutigen unterscheiden? Gibt es Aufnahmen mit Geige?
Daran kannst du dich noch erinnern? Das ist immerhin 8 Jahre her... Ja, am Anfang haben wir dieses und jenes ausprobiert und die Geige gab dem Ganzen schon auch eine spezielle Note. Als Farbtupfer, z.B. bei Balladen, sicher wunderbar, aber im Garagenrockkontext auf Dauer schwierig. Veröffentlicht haben wir damals noch nichts. Aber es gibt ein paar Mitschnitte von Konzerten, zum Beispiel vom FLOWER POWER FESTIVAL ( Freiberg ) 2000. Dort haben wir mit der Geige "Hurricane" von BOB DYLAN gecovert. Das hat den Blumenkindern schon ziemlich gut gefallen.

Mit wem und wo seit ihr im Laufe der Jahre noch aufgetreten, wie seid ihr dazugekommen? Gibt es Wunschvorstellungen, mit wem du gern mal spielen würdest?
DEAD MOON haben wir über die Zeit einige Male supportet und sind dafür auch mal nach BIELEFELD, KöLN oder BERLIN gefahren. LOMBEGO SURFERS, FREYGANG… um mal ein paar weitere Namen zu nennen. Manchmal werden wir von Veranstaltern, die uns kennen, angefragt, oder ich kümmer’mich, wie im Falle DEAD MOON selber drum. Danach kann für mich jedenfalls auch nichts mehr kommen, keine Wunschvorstellungen also

Ihr kommt aus Freiberg, gibt es dort eine Szene für Musik? Es gab ja auch mal einen Schallplattenladen, der wenigstens Dienstags und Donnerstags geöffnet hatte. Ich glaube, er hat zur Zeit geschlossen, weißt du wieso?
Das letzte Mal, dass ich hier in der Stadt ein Konzert besucht habe, ist ein paar Jahre her. Jazz ist meine Sache nicht und so muss man schon nach DRESDEN, CHEMNITZ oder ANNABERG fahren. Wobei: Demnächst, am 22.05.2009 gibt es vor den Toren der Stadt das Hammerberg-OpenAir. Da spielen u.a. DRIVE BY SHOOTING, da werde ich wohl dabei sein. JAGGERS PLATTENLADEN ist schon seit einer Weile geschlossen. Das ist sehr schade, ja.

Was sind deine persönlichen Favoriten, wenn du nicht mit eigener Musik unterwegs bist?
Schöne Frage. Wechselt immer mal, logisch. Auf die Insel würde ich alle meine BOB DYLAN- und DEAD MOON Platten mitnehmen. Müsste ich schon morgen packen, dann kämen noch je die letzte T-BONE BURNETT-, JOE HENRY- und HOLLY GOLIGHTLY-Platte mit in den Koffer. Das ist sehr schade, ja.

Andreas, vielen Dank für das Interview!